Illustration eines Energiegartens

The Culture of Energy oder Von der Lust an der Verwendung

Das Thema schlägt Wellen:

Energiegärten® sind eine Chance für Neue Landschaften

WILLKOMMEN

Energiegarten® ist ein Netzwerk von engagierten Akteuren im Umfeld der Erneuerbaren Energien, das sich aus dem im Jahr 2000 gegründeten Verein Energiegarten e.V. entwickelt hat.

Im Sommer 2011, noch unter dem unmittelbaren Eindruck der Atomkatastrophe von Fukushima, wurde beschlossen, der Energiegartenbewegung jenseits der bisherigen Vereinstätigkeit eine neue, dynamischere Richtung zu geben. Das gemeinschaftliche Engagement wird mit neuer Energie in ein offenes und flexibles Kommunikationsnetzwerk überführt. Landschaftsarchitekten, Architekten, Tourismusplaner, Privatleute und Vertreter der Erneuerbaren Energien tauschen sich in diesem Netzwerk vor allem zum Themenfeld Erneuerbare Energien im Orts- und Landschaftsbild aus und beteiligen sich in unterschiedlichen Konstellationen an Forschungsvorhaben, Gutachten, Modellprojekten und Publikationen.

Sie sind herzlich dazu eingeladen, mit uns zusammenzuarbeiten.

IDEE

Das Land verändert sich

Der Anteil der regenerativen Energien am Gesamtenergiebedarf Deutschlands steigt. Bis zum Jahr 2030 sollen laut Energiekonzept der Bundesregierung vom 6.6.2011 mindestens 30 % und bis 2050 über 60 % des benötigten Bruttoendenergieverbrauchs aus regenerativen Quellen gespeist werden. Es gibt auch wissenschaftlich unterlegte Szenarien, die für Deutschland sogar schon vor 2050 eine 100-%-Versorgung mit Erneuerbaren Energien für machbar halten. Innerhalb von wenigen Jahren wird sich so der landschaftliche Flächenbedarf von Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien verdoppeln. In Verbindung mit den zusätzlich zu errichtenden Hochspannungs-Freileitungen verändert dies unsere Kulturlandschaften weiter: Energiepflanzenfelder, Windkraftanlagen und Sonnenkollektoren sind nur einige Beispiele für Gestaltungselemente, die unsere Landschaftsbilder zukünftig noch stärker prägen werden. In den Städten integrieren Hochbauarchitekten Solartechnik in Dächer und Fassaden. Energieingenieure bieten immer komplexere Lösungen in der Anlagentechnik an. Der Energiegarten® macht es sich zur Aufgabe, diese Entwicklungen auch in den Kulturlandschaften konzeptionell und nachhaltig zu begleiten.

Das Land wird gebraucht

Es wird nicht länger verbraucht. Neue Perspektiven tun sich auf: Für die Regionen, in denen Energie „geerntet“ wird, und für die Menschen, die dort leben. Es fehlt an innovativen Konzepten für die Kulturlandschaften der Zukunft als Alternative zu den herkömmlichen Monostrukturen in der Land- und Energiewirtschaft. Das Miteinander von Ökologie, Ökonomie, Technologie und ansprechender Landschaftsarchitektur fördert die Akzeptanz von regenerativen Energien. Die standortgerechte Vernetzung innovativer Speichertechnologie mit allen Arten der regenerativen Energiegewinnung bringt Vielfalt in die Landschaft und schafft neue Arbeitsplätze. Energiegärten steigern die Attraktivität der Kulturlandschaften und bieten neue Zukunftsperspektiven für die Regionen.

Jedes Land ist anders

Jede Region hat ihre eigenen Energieressourcen. Durch die regional individuelle Kombination von regenerativen Energien wachsen auch die Gestaltungsspielräume für die Landschaftsarchitektur. Jeder Energiegarten setzt andere Akzente. Er weckt so auch das touristische Interesse an der jeweiligen Region. Das Interesse der Öffentlichkeit wird zusätzlich gestärkt durch Ausstellungen und Veranstaltungen, die über regenerative Energien, über die Ernte in den Energiegärten und über die sich daraus entwickelnden Möglichkeiten informieren. Der Klimaschutz und der nachhaltige Umbau der Landwirtschaft zur Energie- und Rohstoffwirtschaft sind zwei Beispiele für Themen, die auf ein breites Öffentlichkeitsinteresse stoßen werden.

Vom Landwirt zum Energiewirt

Energiegärten erzeugen regenerative Energie und nutzen die regionale Infrastruktur zur dezentralen Energieversorgung. Gezielte Aus- und Weiterbildung ermöglicht die Einbindung einheimischer Arbeitskräfte. Ökologische Ausgleichsmaßnahmen, wie sie zum Beispiel für die Errichtung von Windkraftanlagen üblich und notwendig sind, werden im direkten Umfeld der Energiegärten umgesetzt. Landschaftsbild und Artenerhalt sollten dabei gleichrangige Schutz- und Entwicklungsziele sein. Energie wird möglichst vor Ort produziert, verarbeitet und verbraucht. Das Ergebnis ist eine spürbare Optimierung der Wertschöpfungsquote. Die regionalen Wirtschaftskreisläufe werden angeregt. So sind Energiegärten auch in wirtschaftlicher Hinsicht eine Bereicherung für das Land.

THESEN

Der Energiegarten® – Thesen für eine nachhaltige Entwicklungsstrategie für die Bergbaufolgelandschaft der Lausitz im Land Brandenburg

Prof. Horst Schumacher, Dipl.-Ing. Claus Herrmann, Dipl.-Ing. Hartmut Rein (BTE) | aufgestellt: Berlin, 25. November 1999 | aktualisiert: Berlin, 28. März 2011

Wie in kaum einer anderen Situation machte die Wende in den Tagebaugebieten der Lausitz eine Neubestimmung der zukünftigen Entwicklung nötig. Mit der IBA Fürst-Pückler-Land war die Möglichkeit gegeben, eine Entwicklungsstrategie für eine innovative Landschaft zu formulieren und mustergültig nach internationalen Gesichtspunkten umzusetzen. Energiegärten® waren hierbei als wesentliches Element der IBA-Strategie formuliert worden. Die IBA ging 2010 zu Ende, ohne dass diese Vision konkret und modellhaft realisiert worden wäre. Dies bleibt also eine Zukunftsaufgabe.

Die ältere Zeit der Lausitz betrachtend, galten Sumpf und Sand als ihr Charakteristikum. Das lässt keinen Rückschluss auf wirtschaftliche Prosperität und Reichtümer zu. Eine relative Änderung an diesen Verhältnissen setzte erst vor etwa 100 Jahren mit dem Abbau der Braunkohle in größerem Umfang ein. Damit etablierte sich diese Region auch zu einem Energieareal, das weit über die engen lokalen Grenzen hinaus Wirkung zeigte. Die Menschen dieser Region identifizierten sich mit dem Image von Braunkohle und Energie.

Auf dieser jüngeren Tradition des Braunkohletagebaus aufbauend sollen Thesen für eine Entwicklungsstrategie formuliert werden: Eine ökonomische Grundlage entwickelt sich auf dem Energiesektor weiter und macht es damit möglich, der Bevölkerung ihre Identifikation mit Energie zu erhalten, wenngleich auf vollkommen anderem technischen Stand. Andere Aspekte verbinden damit Freizeit und Erholung mit neuen Arbeitsfeldern im speziellen Dienstleistungsbereich.

Als Hauptziele für diese innovative Landschaftsentwicklung können genannt werden:

  1. Förderung der effizienten und zukunftsweisenden Nutzung regenerativer Energiequellen
  2. Qualitative Weiterentwicklung des Landschaftsbildes
  3. Entwicklung der touristischen Potentiale
  4. Schaffung von neuen Arbeitsplätzen

These 1: „Der Energiegarten®“ – Visionen für eine nachhaltige Entwicklung der Bergbaufolgelandschaft

Die Bereitstellung alternativer, regenerativer Energie geschieht inzwischen mit technisch hochentwickelten Geräten. Diese lassen sich für den Alltagsgebrauch oder für die Nutzung in größeren Komplexen sicher noch weiterentwickeln, aber großartige technische Innovationen dürften in naher Zukunft nicht zu erwarten sein.

Ein innovativer Aspekt liegt jedoch in der geschickten Bündelung der unterschiedlichen Arten regenerativ erzeugter Kraft und Wärme auf ein und derselben Flächeneinheit: Energiegarten® meint die Kombination von zum Beispiel Windkraft mit Solaranlagen, eventuell mit Wärmespeicher und -pumpen sowie landwirtschaftlichen oder gartenbaulichen Nutzflächen für den Anbau nachwachsender Energiestoffe für Verbrennungsanlagen.

Das wirft Fragen auf: Wie müsste eine sinnvolle Einheit, also 1 Garten bemessen sein? Welche Fläche liegt ihm zugrunde? Und wie lassen sich solche Energiegärten® für Tourismus, Freizeit und Erholung nutzen? Nicht zuletzt müsste durch Inhalt, beste Form und Gestalt klargestellt werden, dass ein Energiegarten® eine Bereicherung in gewissen Landschaften bedeutet - zumal in den neuen Bergbaufolgelandschaften.

These 2: Wie sich ein Atomkraftwerk ersetzen lässt

Legt man beispielsweise aktuelle Windräder von mittlerer oder maximaler Leistung zugrunde, spielt sich der Vergleich Atomkraftwerk mit Windrädern im Bereich des Faktors 1:300 ab. Rein rechnerisch könnten 20 Energiegärten zu je 15 Windrädern à 3 MW einen Atommeiler ersetzen (wenn man die anderen Möglichkeiten der Energiebereitstellung im oben skizzierten Energiegarten® außer Betracht lässt und ständigen Wind voraussetzt). Bliebe zu fragen, wo sie strategisch und konzeptionell am sinnvollsten zu platzieren wären?

Da ein gewisses Maß an Kontinuität bei der Erzeugung von Strom vorausgesetzt werden muss, lässt sich der Ersatz von Atomstrom durch Ökostrom ausschließlich in der Kombination unterschiedlicher Erzeugungsarten definieren, eben mit Energiegärten®.

These 3: Tourismus geht nicht vorweg, sondern folgt nach

Ohne Zweifel ist es faszinierend, am Rande eines Tagebaulochs zu stehen und in die unwirtlichen Weiten der durchwühlten Erde zu starren. Länger als einen Tag dürfte ein solches Erlebnis aber kaum einen nicht fachlich motivierten Betrachter begeistern.

Für einen florierenden Tourismus bedarf es einer strukturierten Vielfalt und neben den Brüchen in der Landschaft einer gepflegten Kultur des Neuen neben der Tradition des Alten. Die touristische Aufbereitung der Industriekultur zählen dazu ebenso wie die Schaffung neuer (aber traditioneller) Angebote (wie zum Beispiel Badeseen). Das Konzept des Energiegartens® könnte des Weiteren aber völlig neue Impulse für die Tourismusentwicklung bieten.

Die landschaftlich-energetischen sowie technisch-energetischen Bestandteile des Energiegartens® wären touristische Attraktionen, die als besondere Anziehungspunkte/Magneten wirken würden. Das Konzept bietet die Möglichkeit, neuartige Aktivitätsangebote, die sich in der Bergbaufolgelandschaft vielfältig entwickeln lassen, problemlos zu integrieren. Das Konzept bietet vielfältige Möglichkeiten der Verknüpfung mit den bestehenden touristischen Angeboten in der die Bergbaufolgelandschaft umgebenden Region. Dazu zählt nicht zuletzt ein hohes Maß an Gastkultur, also fachliches Know-how in dem Dienstleistungssektor der Gastbetreuung. Dieses zu entwickeln fällt innerhalb bestehender stabiler Strukturen leichter als in Umbruchsituationen.

These 4: Neue Arbeitsfelder – oder: Was meint innovative Landschaft?

Die Ideen der Energiegärten® sowie einer sorgfältigen Tourismusentwicklung brauchen eine speziell für diesen Zweck dienstbar gemachte Landschaft. Wie die Topographie und die Bepflanzung speziell der Randbereiche der ehemaligen Tagebaue beschaffen sein müssten, um ihren Beitrag zu einer hohen Effizienz der Einrichtungen leisten zu können, bleibt als Frage noch zu beantworten. Herstellung und Pflege der Energiegärten® und deren dauerhafte Bewirtschaftung bedeuten neue Arbeitsfelder und damit neue Arbeitsplätze.

Für den Dienstleistungssektor Tourismus ist es genau dasselbe. Innovative Landschaft meint neben einer Gestaltungsaufgabe vor allem auch Ideen für neue Arbeit in der Lausitz zu entwickeln, unter dem Slogan: vom Land- und Forstwirt zum Energiewirt. Die bereits formulierte Idee, in der Lausitz eine Bundesforschungsanstalt für regenerative Energien zu etablieren, stützt die These von neuen Arbeitsfeldern auf dem Forschungssektor.

These 5: Internationale Aspekte einer innovativen Bauausstellung

Obgleich die oben skizzierten Ideen nicht ohne Praxishintergrund formuliert sind, haftet ihnen doch vornehmlich ein experimenteller Charakter an. Es ist sicher, dass es einer immensen Kraftanstrengung bedarf, bis die Idee, einen Atommeiler durch Energiegärten® zu ersetzen, in die Tat umgesetzt ist – politisch und finanziell. Die Frage nach der Beschaffenheit der Landschaft, dass sie sich solchen Zwecken als dienlich erweist, kann nur mit Hilfe umfangreicher Forschung beantwortet werden.

Aber: Wo sollten solche Experimente gemacht werden können, wenn nicht im Rahmen einer Internationalen Bauausstellung? Was sich im Verlauf der Zeit an Erfahrungen sammeln lässt, ist mit Sicherheit von internationaler Bedeutung. Und die mit dem neuen deutschen Energiewirtschaftsgesetz hervorgerufenen Marktveränderungen machen es geradezu erforderlich, die Idee der Energiegärten® als ein Modell der nachhaltigen Stromerzeugung in gesamteuropäischen Zusammenhängen zu betrachten.

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